Borsboom erhält Esperanto-Kulturpeis


Bild: Der Präsident des Internationalen Esperanto-Instituts, Ed Borsboom (links erste Reihe), hat den Esperanto-Kulturpreis erhalten.

Der elfte Esperanto-Kulturpreis der FAME-Stiftung zur Förderung internationaler Verständigungsmittel und der Stadt Aalen ist am Sonntag im Torhaus an den Präsidenten des Internationalen Esperanto- Instituts, Ed Borsboom, vergeben. Für Bürgermeister Wolf-Dietrich Fehrenbacher ist Esperanto ein ideales Mittel zur Völkerverständigung.

AALEN (kul) Für einen ganz anderen völkerverbindenden Ansatz sorgten Janina Dolderer und Jessica Salvasohn: Sie spielten Jean Baptist Charles´ "Dancia", eine Musik, die keiner Worte bedarf. Wesentlich wortreicher war dann die Kunstsprache Esperanto, die nach dem Willen ihrer Erfinder sprachliches Mittel sein soll, um nationale Grenzen und Muttersprachen vorurteilslos zu überwinden.

Seit Jahren gibt Aalen dazu Hilfestellung. Die Stadt gilt unter den Esperantisten als ausgewiesenes Mekka. Der Grund: Seit den 80er Jahren ist hier nicht nur eine Esperanto-Gruppe aktiv, sondern die VHS bietet Esperantokurse an, die FAME-Stiftung hat- hier ihren Sitz und der Stadtbücherei ist die einzige deutsche Esperanto-Bibliothek angegliedert.

Weltliteratur in Esperanto

Ob "Spiro de´l pasio - Atem der Leidenschaft", Shakespeare-Übersetzungen oder Tolkins " Herr der Ringe" - in Aalen findet sich die Weltliteratur in Esperanto. "Ein wahrer Schatz", lobte Bürgermeister Fehrenbacher, der von der hohen Anzahl in Esperanto geschriebenen Büchern überrascht war. Dass die Buchsammlung in Aalen gut aufgehoben sei, davon gab er sich überzeugt.

Aalen sei eine weltoffene Stadt, die zahlreiche Partnerschaften zu anderen europäischen Städten unterhalte. "Wir pflegen einen regen internationalen Austausch", betonte Fehrenbacher. Überdies lebten in der Kocherstadt Menschen aus über 100 verschiedenen Nationen und zehn Prozent der Aalener hätten Migrationshintergrund. Ein mögliches babylonisches Sprachengewirr könnte durch die Kunstsprache Esperanto verhindert werden, vermutete der Bürgermeister.

Zustimmung kam vom Vorsitzenden der FAME-Stiftung, Herbert Mayer. Er unterstrich ausdrücklich, dass Esperanto im Dienste der Völkerverständigung stehe. Es sei keine tote Plansprache, sondern aufgrund ihrer kulturellen Leistungen eine lebendige und anerkannte Alternative, sagte Mayer.

Esperanto überwindet Grenzen

Von allen Versuchen einer sprachlichen Gemeinsamkeit ist neben Esperanto nur noch die "Kaufmannssprache" Englisch im internationalen Wettbewerb übrig geblieben. Esperantisten sind von einer weiteren positiven Entwicklung von Esperanto hin zur Sprachgrenzen überschreitenden Weltsprache überzeugt. Der diesjährige Preisträger Ed Borsboom sieht darin einen nicht zu unterschätzenden Wert, den es für nachfolgende Generationen zu sichern gelte. Dies umzusetzen sei für ihn Verpflichtung.

 

(Erschienen: 20.10.2008)